Tłumaczenie

 

Gewiß hatte Professor Joseph Ratzinger an jeder Universität, an der er dozierte - Bonn, Münster, Tübingen, Regensburg - Doktoranden, und so entwickelten sich sogenannte Doktorandencolloquien. Aber der Schülerkreis trat erst ins Leben, nachdem aus dem Professor ein Erzbischof und Kardinal geworden war. Allerdings hatten sich schon in den Tübinger und Regensburger Jahren Entwicklungen der Doktorandenkreise ergeben, die später aufgenommen werden konnten. Erstens fanden die Doktorandencolloquien nicht mehr an der Universität statt, sondern in einem Studentenwohnheim bzw. im Priesterseminar, und das bedeutete zugleich, dass man zuerst Eucharistie feierte und in der Predigt das Wort Gottes auslegte, bevor man in die theologischen Vorträge und Diskussionen eintrat. Zweitens traf man sich mindestens einmal im Jahr außerhalb der Universität für zwei Tage, um einen angesehenen Professor zu hören und mit ihm zu diskutieren - das erste Mal mit Karl Barth und Hans Urs von Balthasar in Basel.


Zu Anfang der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts begannen - auf eine Anregung von außen hin - ähnliche Treffen mit Professoren, an denen nun die ehemaligen Doktoranden und Habilitanden aus allen genannten Universitäten - es waren im Ganzen über fünfzig teilnehmen konnten. Es war selbstverständlich, dass sie das morgendliche und abendliche Stundengebet mit einander beteten und Eucharistie feierten. Ebenso selbstverständlich war, dass man bekannte Theologen ganz unterschiedlicher Provenienz einlud, um ihre Vorträge aufzunehmen und die Themen in Gesprächen zu vertiefen und zu diskutieren. Irgendwann bürgerte es sich ein, dass unser Lehrer auch einen Bericht über seine römischen Erfahrungen gab. Schon früh gaben uns diese Treffen die Möglichkeit, auch mit privaten Anliegen an ihn heranzutreten. Gerne nahm er dafür Zeit. Wir waren glücklich, unseren Lehrer zu treffen, wie auch er diese Treffen als ein Geschenk empfand. Kardinal Ratzinger kam zu den Begegnungen jeweils nach Deutschland, bis er dies aus Arbeitsüberlastung und aus gesundheitlichen Gründen zu Anfang der neunziger Jahre nicht mehr tun konnte. Ein paar Jahre später – wir hatten uns inzwischen ohne ihn getroffen - legten wir die Treffen in die Zeit, in der er in Regensburg seinen Urlaub verbrachte, und so konnte er wieder für einen Tag an den Treffen teilnehmen. Inzwischen hatten wir begonnen, neben den theologischen Diskussionen auch in einem Rundgespräch über pastoralen Erfahrungen und eigene theologische Arbeiten zu erzählen.


Zu unserer Überraschung und Freude lud uns der neugewählte Papst Benedikt für eine weitere Begegnung nach Castelgandolfo ein, und so trafen wir uns mit ihm schon wenige Monate später. Während wir uns früher bemüht hatten, unsere Treffen nicht publik zu machen, war dies jetzt nicht mehr durchführbar. Ja Papst Benedikt sah das nächste Treffen über Schöpfung und Evolution als so wichtig an, dass er hoffte, es könnte dazu beitragen, dass diese wichtige Frage von der Theologie wieder stärker beachtet werde. Schon Jahre vor der Wahl von Papst Benedikt hatte der Schülerkreis nach Wegen gesucht, eine Stiftung zu gründen, um Ratzingers Theologie weiteren Kreisen bekannt zu machen und seine Erkenntnisse ins Gespräch der Gegenwart einzubringen und so fruchtbar zu machen. Jetzt aber galt es, ans Werk zu gehen, und so wurde Ende 2007 die Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI.-Stiftung in München gegründet. Schon im Jahr darauf konnte der Schülerkreis junge Theologen, die sich mit den Werk Ratzingers wissenschaftlich beschäftigten, nach Castelgandolfo einladen. Damit trat zur Freude von Papst Benedikt der sog. Neue Schülerkreis ins Leben.


Der Heilige Vater hatte noch im letzten Jahr zusammen mit uns das nächste Treffen vorbereitet. Es wird dem für ihn so wichtigen Thema „Die Gottesfrage im Horizont der Säkularisierung“ gewidmet sein. Die Vorträge wurden Professor Rémi Brague anvertraut, der bald darauf Preisträger des Premio Ratzinger wurde. Mit dem Amtsverzicht von Papst Benedikt wird für die beiden Schülerkreise gewiß ein tiefer Einschnitt verbunden sein. Aber wir wissen uns von unserem Lehrer so reich beschenkt und sind so sehr überzeugt von der Bedeutung seiner Theologie für Kirche und ihre Zukunft, dass wir unseren Weg kraftvoll fortsetzen werden. Unser Lehrer hat uns tief geprägt, und es ist schwer, dies mit ein paar Worten zusammenzufassen. Für ihn war Theologie und Spiritualität und damit Zeugnis nie trennbar. Er zeigte uns eine Theologie, die tief von der Schrift und von den Vätern bestimmt war. Er wollte mit seinen Schülern keine „Schule“ gründen. Er wollte uns nicht auf eine bestimmte Epoche oder Richtung der Theologie verpflichten, sondern öffnete unsere Augen für den Reichtum der gesamten Tradition der universalen Kirche. Seine reiche theologische Ernte, die nun in seinen Gesammelten Schriften neu vorgelegt wird, wird einen wesentlichen Beitrag zur Erneuerung der Kirche, zu einer echten ökumenischen Annäherung und zu einem missionarischen Neuaufbruch leisten.

 

P. prof. dr hab. Stephan Horn

Autor: Liliana Kycia
Ostatnia aktualizacja: 27.09.2013, godz. 13:22 - Liliana Kycia